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VLS-Mechanismus
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Der VLS-Mechanismus (VLS von englisch vapor liquid solid, dt. Dampf-FlĂŒssigkeits-Feststoff-Methode) ist ein Verfahren fĂŒr die Herstellung von eindimensionalen Strukturen wie NanodrĂ€hten (im englischen oft whisker, dt. Barthaar, genannt) mit Hilfe der katalysatorgestĂŒtzten chemischen Gasphasenabscheidung (CVD).
Contents
âą Geschichte
âą Funktionsweise
âą Tropfenbildung
âą Wachstumskinetik
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
Der VLS-Mechanismus wurde 1964 als eine ErklĂ€rung fĂŒr das Silicium-Nanodrahtwachstum aus der Gasphase in Gegenwart eines flĂŒssigen Gold-Tröpfchen auf einem Silicium-Substrat vorgeschlagen.cite-ref-1[1] Angeregt wurde die ErklĂ€rung durch das Fehlen von axialen Schraubenversetzungen, die fĂŒr sich ein Wachstumsmechanismus darstellen, in den NanodrĂ€hten, durch die Notwendigkeit eines Goldtröpfchens fĂŒr das Wachstum, und die Anwesenheit des Tropfens an der Spitze der NanodrĂ€hte wĂ€hrend des gesamten Wachstumsprozesses.
Funktionsweise
Das Wachstum eines Kristalls durch direkte Adsorption einer Gasphase auf einer festen OberflĂ€che ist im Allgemeinen sehr langsam. Der VLS-Mechanismus umgeht diesen Umstand durch die EinfĂŒhrung einer katalytisch wirkenden flĂŒssigen Legierungsphase, die durch ĂbersĂ€ttigung in der Lage ist, schnell MolekĂŒle oder Atome aus einer Gasphase zu adsorbieren, und aus der das Kristallwachstum anschlieĂend von gebildeten Keimen an der FlĂŒssigkeits-Feststoff-GrenzflĂ€che entsteht. Die physikalischen Eigenschaften von NanodrĂ€hten, die auf diese Weise kontrolliert gewachsen sind, hĂ€ngen von der GröĂe und physikalischen Eigenschaften der flĂŒssigen Legierung ab.
Der VLS-Mechanismus wird in der Regel in drei Phasen beschrieben:cite-ref-2[2]
1. Bereitstellung der flĂŒssigen Legierungströpfchen auf dem Substrat, auf dem der Draht wachsen soll
2. EinfĂŒhrung der Reaktionsgase, die an der OberflĂ€che adsorbieren und in den Tropfen diffundieren
3. ĂbersĂ€ttigung und Keimbildung an der GrenzflĂ€che des flĂŒssigen Tropfens und dem festen Untergrund (erst das Substrat, dann der Draht selbst), was zu einem axialen Kristallwachstum fĂŒhrt
Typische Merkmale des VLS-Mechanismus sind eine durch den Einsatz eines Katalysators stark verringerte Aktivierungs- bzw. Reaktionsenergie (im Vergleich zu normalen CVD-Prozessen). Des Weiteren wachsen die Nanostrukturen nur in den Bereichen des Metall-Katalysators und die GröĂe und Position der DrĂ€hte wird durch die Metall-Katalysatoren bestimmt. Dadurch ist die Herstellung von stark anisotropen Strukturen mit einem sehr hohen AspektverhĂ€ltnis aus einer Vielzahl von Materialien möglich.
Voraussetzungen fĂŒr Katalysatorteilchen
Die Katalysatoren mĂŒssen folgende Anforderungen erfĂŒllen:cite-ref-3[3]
âą Sie mĂŒssen eine flĂŒssige Lösung mit dem kristallinen Material bilden.
âą Die Löslichkeit des Katalysators muss in der festen und flĂŒssigen Phase des TrĂ€germaterials niedrig sein.
âą Das Gleichgewichts-Dampfdruck des Katalysators muss ĂŒber die flĂŒssige Legierung hinweg klein sein, so dass der Tropfen nicht verdampfen oder im Radius schrumpfen kann, da sonst inhomogene DrĂ€hte entstehen oder das Wachstum frĂŒhzeitig beendet wird.
âą Der Katalysator darf nicht mit den Reaktionsgasen selbst reagieren.
âą Die Dampf-Feststoff-, Dampf-FlĂŒssig- und FlĂŒssig-Fest-GrenzflĂ€cheneEnergien spielen eine SchlĂŒsselrolle bei der Tröpfchenform und muss deshalb vor der Auswahl eines geeigneten Katalysators bekannt sein. Kleine Kontaktwinkel zwischen den Tropfen und dem Festkörper sind besser geeignet fĂŒr ein groĂflĂ€chiges Wachstum, wĂ€hrend groĂe Kontaktwinkel zu dĂŒnneren Strukturen fĂŒhren.
âą Die Fest-FlĂŒssig-GrenzflĂ€che muss kristallographisch gut definiert sein (einkristallin mit einer sehr guten Orientierung auf die gewĂŒnschte KristallflĂ€che), um ein Wachstum von gut ausgerichteten NanodrĂ€hte zu ermöglichen. Gleichzeitig darf die GrenzflĂ€che nicht atomar glatt sein, da Versetzungen fĂŒr das Wachstum benötigt werden. Andernfalls kann es dazu kommen, dass Atome aus der Lösung keinen definierten Platz an der OberflĂ€che finden und zufĂ€llig Keime bilden.
Wachstum von Silicium-NanodrÀhten
Im Folgenden soll das Wachstum eines Silicium-Nanodrahts durch den VLS-Mechanismus an einem Beispiel beschrieben werden. ZunĂ€chst wird eine ca. 1 bis 10 nm dĂŒnne Goldschicht auf einem Silicium-Wafer (das Substrat) mit Hilfe der Sputterdeposition oder dem thermischen Verdampfen abgeschieden. AnschlieĂend wird der Wafer bei Temperaturen gröĂer als der Temperatur des eutektischen Punkts von Au-Si (ca. 363 °C, bei einem VerhĂ€ltnis Au:Si von 4:1) in einer Vakuum-Beschichtungsanlage erhitzt (bei einem solchen Eutektikum ist die Schmelztemperatur deutlich gegenĂŒber der Schmelztemperatur der reinen Materialien reduziert). Dabei bilden sich auf der WaferoberflĂ€che Tröpfchen aus einer Au-Si-Legierung, je dicker die Au-Schicht war, desto gröĂer die Tröpfchen. Durchmesser und Position der Tropfen kann auch mit Hilfe einer fotolithografischen Strukturierung des Goldfilms kontrolliert werden.
FĂŒr das Wachstum von NanodrĂ€hten werden nun geeignete Reaktionsgase in die Reaktionskammer der Vakuum-Beschichtungsanlage eingeleitet. Im Fall von Silicium ist dies beispielsweise Siliciumtetrachlorid (SiCl4) und molekularem Wasserstoff (H2). Dabei wirken die Au-Si-Tröpfchen katalytisch, das heiĂt, die Legierung senkt die fĂŒr eine chemische Reaktion notwendige Aktivierungsenergie. So reagiert SiCl4 mit H2 an der TropfenoberflĂ€che bei niedrigeren Temperaturen als den sonst notwendigen Temperaturen höher als 800 °C in einem normalen CVD-Prozess. Weiterhin bilden sich keine Siliciumkeime auf der OberflĂ€che. Allerdings können sich bei Temperaturen oberhalb 363 °C Tröpfchen aus einer eutektischen Au-Si-Legierung bilden und Silicium aus der Gasphase bis zum Erreichen eines ĂŒbersĂ€ttigten Zustands von Silicium in Gold aufnehmen kann. Dabei kommt zugute, dass Gold bei allen Siliciumkonzentration bis zu 100 % Festkörper-Lösungen bildet. Die ĂbersĂ€ttigung des Legierungstropfens mit Siliciumatomen fĂŒhrt nun dazu, dass ein Teil des Silicium zu festen Kristalliten zusammenfĂŒgt, geschieht dies an der GrenzflĂ€che zum festen Siliciumuntergrund entstehen die erwĂ€hnten Drahtstrukturen aus Silicium.
Wachstumsmechanismus
Tropfenbildung
Das verwendete Materialsystem, das Vorhandensein einer Oxidschicht auf dem Tropfen oder der WaferoberflĂ€che sowie die Sauberkeit des Vakuumsystems (Kontaminationen) haben Einfluss auf die GröĂe der auf den Tropfen wirkenden KrĂ€fte. Sie bestimmen wiederum die Form der Tröpfchen und somit die Gestalt der NanodrĂ€hte. Die Form des Tropfens, beispielsweise der Kontaktwinkel ÎČ0, kann zwar mathematisch modelliert werden, jedoch sind die wĂ€hrend des Wachstums tatsĂ€chlich wirkenden KrĂ€fte experimentell sehr schwer zu messen. Dennoch ist die Form eines Katalysatortropfens an der SubstratoberflĂ€che durch ein KrĂ€ftegleichgewicht der OberflĂ€chenspannung und der FlĂŒssig-Fest-GrenzflĂ€chenspannung bestimmt. Der Radius des Tropfens variiert mit der Kontaktwinkel:
R = r o sin ⥠⥠( ÎČ ÎČ o ) {\displaystyle R={\frac {r_{\mathrm {o} }}{\sin \left(\beta _{\mathrm {o} }\right)}}} ,
wobei r0 der Radius der KontaktflĂ€che und ÎČ0 der Kontaktwinkel des Tropfens auf der SubstratoberflĂ€che ist. Der Kontaktwinkel ergibt sich aus der Young-Laplace-Gleichung:
Ï Ï 1 cos ⥠⥠( ÎČ ÎČ o ) = Ï Ï s â â Ï Ï l s â â Ï Ï r o {\displaystyle \sigma _{\mathrm {1} }\cos(\beta _{\mathrm {o} })=\sigma _{\mathrm {s} }-\sigma _{\mathrm {ls} }-{\frac {\tau }{r_{\mathrm {o} }}}} ,
Der Kontaktwinkel ist abhĂ€ngig von der OberflĂ€chen- (Ïs) und FlĂŒssig-Fest-GrenzflĂ€chen-Spannung (Ïls) sowie eine zusĂ€tzliche Linienspannung (Ï), die bei den sehr kleinen Tropfenradien nicht mehr vernachlĂ€ssigbar ist. Zu Beginn des Wachstums vergröĂert sich die Tropfenhöhe um den Betrag d h {\displaystyle dh} und der Radius der KontaktflĂ€che verringert um den Betrag d r {\displaystyle dr} . Mit weitergehenden Wachstum vergröĂert sich auch der Neigungswinkel α an der Basis der NanodrĂ€hte sowie der Kontaktwinkel ÎČ0:
Ï Ï 1 cos ⥠⥠( ÎČ ÎČ o ) = Ï Ï s cos ⥠⥠( α α ) â â Ï Ï l s â â Ï Ï r o {\displaystyle \sigma _{\mathrm {1} }\cos(\beta _{\mathrm {o} })=\sigma _{\mathrm {s} }\cos(\alpha )-\sigma _{\mathrm {ls} }-{\frac {\tau }{r_{\mathrm {o} }}}} .
Die Linienspannung hat daher groĂen Einfluss auf die KontaktflĂ€che des Katalysators. Das wichtigste Ergebnis aus dieser Schlussfolgerung ist, dass unterschiedliche Liniensspannungen zu in verschiedenen Wachstumsmoden fĂŒhren. Sind die Linienspannungen zu groĂ, hat dies die Bildung von nanometergroĂen Hillocks (spitzenförmig aus der OberflĂ€che herausragendes Material) zur Folge und damit das Ende des Wachstums.
Durchmesser der NanodrÀhte
Der Durchmesser der NanodrĂ€hte hĂ€ngt von den Eigenschaften der Legierungstropfen ab, so werden fĂŒr DrĂ€hte mit Durchmessern im Nanometerbereich entsprechend groĂe Legierungstropfen auf dem Substrat benötigt. Im Gleichgewichtsfall ist dies nicht möglich, da der minimale Radius eines solchen Metalltropfens sich wie folgt berechnetcite-ref-4[4]
R m i n = 2 V l R T ln ⥠⥠( s ) Ï Ï l v {\displaystyle R_{\mathrm {min} }={\frac {2V_{l}}{RT\ln(s)}}\sigma _{lv}\,}
wobei Vl das molare Volumen des Tropfens, Ïlv die OberflĂ€chenenergie der FlĂŒssig-Gasförmig-GrenzflĂ€che, und s der ĂbersĂ€ttigungsgrad des Gases ist.cite-ref-5[5]
Diese Gleichungen schrĂ€nkt den minimalen Durchmesser des Tropfens, und jedes Kristalls, der auf diese weise hergestellt wird, in der Regel deutlich ĂŒber dem Nanometerbereich ein. Verschiedene Techniken wurden entwickelt, um kleinere Tröpfchen zu erzeugen. Darunter auch die Verwendung von monodispersen Nanopartikeln, die in geringer VerdĂŒnnung auf dem Substrat ausgebreitet wurden, und die Laserablation einer Substrat-Katalysator-Mischung.cite-ref-6[6]
Wachstumskinetik
WĂ€hrend des VLS-Nanodrahtwachstums ist die Wachstumsrate abhĂ€ngig vom Durchmesser: je gröĂer der Durchmesser, desto schneller wĂ€chst der Nanodraht axial. Dies beruht auf der Tatsache, dass die ĂbersĂ€ttigung des Metall-Legierung-Katalysators Î Î ÎŒ ÎŒ {\displaystyle \Delta \mu } die treibende Kraft fĂŒr Wachstum ist und mit abnehmenden Durchmesser ebenfalls abnimmt (auch als Gibbs-Thomson-Effekt bekannt):
Î Î ÎŒ ÎŒ = Î Î ÎŒ ÎŒ o â â 4 α α Ω Ω d {\displaystyle \Delta \mu =\Delta \mu _{\mathrm {o} }-{\frac {4\alpha \Omega }{d}}} .
ÎÎŒ0 ist die Differenz zwischen dem chemischen Potential des abgeschiedenen Materials (im Beispiel Silicium) in der Dampfphase und in der festen Phase. ÎÎŒ ist die anfĂ€ngliche Differenz beim Whiskerwachstum (wenn d â â â â {\displaystyle d\rightarrow \infty } ) Weiterhin sind Ω Ω {\displaystyle \Omega } ist das Atomvolumen von Silicium und α α {\displaystyle \alpha } die spezifische freie Energie der DrahtoberflĂ€che. Aus der obigen Gleichung ergibt sich, dass kleinere Durchmesser (< 100 nm) kleinere TriebkrĂ€fte fĂŒr das Wachstum aufweisen als groĂe Drahtdurchmesser.
Literatur
âą Florian Michael Kolb: Wachstum und Charakterisierung von SiliziumnanodrĂ€hten. 2005, S. 15â20 (Abstract & PDF â Kapitel 3: Wachstum von NanodrĂ€hten; Dissertation, Martin-Luther-UniversitĂ€t Halle-Wittenberg, 2005).
Weblinks
âą Growing Crystals in the Lab
âą Lieber Research Group Home Page. Harvard University
Einzelnachweise
cite-note-22. â Yicheng Lu, Zhong, Jian: Semiconductor Nanostructures for Optoelectronic Applications. Hrsg.: Todd Steiner. Artech House, Inc., Norwood, MA 2004, ISBN 978-1-58053-751-3, S. 191â192 (englisch).
cite-note-33. â R. S. Wagner, Albert P. Levitt: Whisker Technology. Wiley â Interscience â New York, 1975, ISBN 0-471-53150-2 (englisch).
cite-note-44. â M. H. Huang, Y. Wu, H. Feick, N. Tran, E. Weber, P. Yang: Catalytic Growth of Zinc Oxide Nanowires by Vapor Transport. In: Advanced Materials. Band 13, Nr. 2, Januar 2001, S. 113â116, doi:10.1002/1521-4095(200101)13:2<113::AID-ADMA113>3.0.CO;2-H (englisch).
cite-note-55. â Ji-Tao Wang: Nonequilibrium Nondissipative Thermodynamics: With Application to Low-pressure Diamond Synthesis. Springer Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-540-42802-2, S. 65 (englisch).
cite-note-66. â Bharat Bhushan: Springer Handbook of Nanotechnology. Springer-Verlag, Berlin, ISBN 3-540-01218-4, S. 105 (englisch).